Voriges Jahr hatte es noch geheißen, man wolle sich das Jahr noch geben und dann neu bewerten. Nun fiel die Entscheidung doch schon früher und wird bereits schrittweise umgesetzt. Und die meisten Container werden schon weit vor Jahresende aus der Stadt verschwunden sein.
Von über 60 Containern hat das Team schon circa 30 beräumt. Weitere zehn stehen auf den Wertstoffhöfen – und sollen das, anders als die restlichen Behälter, auch noch bis zum Jahresende. Denn mit den Standorten hat das DRK Verträge mit fester Laufzeit bis 31. Dezember 2026. Die übrigen 20 verschwinden in den nächsten Wochen. Schon vor der aktuellen Abbauoffensive hatte das DRK sechs Standorte wegrationalisiert. Grund war die zunehmende Vermüllung.
Das ist kein ganz neues Phänomen. Immerhin hat die DRK-Leitung schon vergangenes Jahr über den kompletten Einzug der Container nachgedacht. Das DRK Torgau-Oschatz war den Schritt damals bereits gegangen. Zuletzt waren große Teile der Kleiderspenden in den Containern unbrauchbar, oder gut erhaltene Kleidung wurde durch Abfall kontaminiert.
Es sind Müllcontainer geworden.
Es sind Müllcontainer geworden, stellt Jan Schweiger, einer von zwei Vorständen beim DRK Kreisverband Delitzsch, fest. Nicht nur dreckige, defekte Kleidungsstücke, auch Essensreste, die Ratten anlockten, benutzte Windeln oder sogar tote Enten hätten die Mitarbeiter schon aus den Behältern geholt.
Aber „Kleidungsmüll“ bringt kein Geld. Eher kostet er welches. Damit geht das Modell nicht auf. Den größten Teil der Kleiderspenden nimmt ein Textilverwerter. Was nicht mehr tragbar oder reinigungsfähig ist, kann höchstens noch zu Putzwolle verarbeitet werden. Dem DRK zahlt der Unternehmer dafür eine kleine Ablöse. Nicht genug aber, um davon das Fahrzeug und den Mitarbeiter zu bezahlen. „Am Ende stimmt der Preis nicht mehr“, sagt Schweiger. Dabei gehe es nicht um Gewinn. Eine schwarze Null unter der Rechnung würde reichen.
“Es soll ein neues Gesetz kommen, womit Hersteller bei den Entsorgungsbeträgen mit in die Pflicht genommen werden. Dann könnte das Modell wieder finanziell funktionieren”, erklärt Schweiger.
Nach dem entworfenen Textilgesetz des Bundesumweltministeriums sollen Bekleidungshersteller ab 2027 die Menge der in Umlauf gebrachten Textilien melden und eine entsprechende Gebühr zahlen, die je nach Material, Recyclingfähigkeit und Umweltbelastung unterschiedlich ausfällt. „Darauf wollen wir aber nicht warten. Wir fahren schon seit drei, vier Jahren defizitär.“
Die Container seien zudem rund 25 Jahre alt gewesen, die meisten von der Zeit gezeichnet. Die Beklebungen hätten rundum erneuert werden müssen: „Pro Stück wären das etwa 300 Euro gewesen. Aber das wollten wir in der aktuellen Situation nicht investieren.“
Laut Schweiger sei aber ein privates Unternehmen an der Übernahme der alten Standorte interessiert gewesen und habe sich sogar um den Abkauf der alten Container bemüht. Ein Unternehmer aus Wolfen bestätigt der LVZ, die Container gekauft zu haben.
Bisher seien bei der Stadtverwaltung aber keine Bestrebungen privater Unternehmer bekannt, die Delitzscher Standorte zu übernehmen. Ob Ersatz kommt, ist also noch offen.
Aus dem Rathaus heißt es: „Die Stadtverwaltung ist grundsätzlich an Altkleidercontainern im Stadtgebiet interessiert, solange dieses Modell funktioniert. Gesprächen zu Alternativlösungen steht man natürlich offen gegenüber.“
Regelmäßig sei das Team der Stadtverwaltung im Einsatz gewesen, um die Standorte zu beräumen: „Viele Standorte sind stark verschmutzt, und es werden neben Kleidung auch Sperrmüll und Hausmüll entsorgt“, hieß es zuletzt aus der Delitzscher Stadtverwaltung.
Das störte vor allem die Bürgerinnen und Bürger, die auf die entstehenden Müllhalden blickten. Dass die Container nun ganz verschwinden, scheint für die meisten eine positive Nachricht zu sein: „Die Menschen haben für die Entscheidung Verständnis, weil bekannt ist, dass es meist fürchterlich aussieht“, berichtet Schweiger.
Dafür haben wir regen Zulauf in unserer Kleiderkammer.
Dafür haben wir regen Zulauf in unserer Kleiderkammer. Dort ließe sich die abgegebene Kleidung auch besser überprüfen. Meist könne alles angenommen werden. „Wenn jemand nicht so mobil ist und kein Auto hat, oder wenn eine gebrechliche ältere Dame anruft, dann sagen wir auch mal: Packen Sie es in Säcke. Wir schicken jemanden vorbei. Das ist kein Problem für uns.“
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Bildunterschrift: 240 Kilogramm wiegt der Altkleidercontainer leer. Zu dritt hieven und schieben ihn die Männer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) auf die Ladefläche des Transporters. Sein Weg führt ihn nun zum Schrottplatz. Die letzten Textilien sind entnommen. Ab sofort ist an der Rettungswache in der Ludwig-Jahn-Straße Schluss mit der bequemen Kleiderabgabe durch die Klappe.
Text und Foto: Clara Geilen, Leipziger Volkszeitung, Lokales Delitzsch-Eilenburg vom 11.08.2026
