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Die Entwicklung der Schnellen Medizinischen Hilfe im Altkreis Delitzsch

Gekürzte Ausschnitte aus einer geschichtlichen Einordnung aus dem Jahr 1985 von Dr. med. Heinz Kademann, der als Präsident des Deutschen Roten Kreuzes Delitzsch (1961–2015) maßgeblich das Rettungswesen im Kreis auf den Weg brachte.

Der Aufbau einer geordneten Notfallversorgung begann im Kreis Delitzsch 1968, als dem Krankentransport erstmals ein Fahrzeug der „Dringlichen Medizinischen Hilfe" zur Seite gestellt wurde. Zunächst kam es ohne Arzt zum Einsatz, doch zeigte sich bald, dass die vorhandene medizinische Ausrüstung nur mit ärztlicher Begleitung voll genutzt werden konnte. Unter Leitung des Kreisarztes, Obermedizinalrat Dr. Heuschkel, wurde nach einer Lösung gesucht, das DMH-Fahrzeug mit einem Arzt zu besetzen. Der erste Schritt war die Einführung eines Rendezvous-Systems: Das DMH-Fahrzeug fuhr zum Einsatzort, während der zuständige Bereichsarzt mit seinem PKW nachrückte.

Auf Grundlage der Beschlüsse der Gesundheitsminister der sozialistischen Staaten im Jahre 1974 in Budapest begann man in der DDR, ein den Erfordernissen entsprechendes Rettungswesen zu entwickeln. Für Delitzsch bedeutete dies, die DMH zu einem ständig ärztlich besetzten System auszubauen. Ab 01.10.1974 wurde ein durchgehender DMH-Dienst, an dem sich mit wenigen Ausnahmen alle Ärzte des Kreises Delitzsch beteiligten, eingeführt. Wochentags wurden die Ärzte von der Kreispoliklinik bzw. dem Kreiskrankenhaus oder den Arztpraxen der Kreisstadt abgeholt. Nachts und an den Wochenenden übernahmen wechselnd die zwei diensthabenden allgemeinpraktischen Ärzte oder der Poliklinik-Arzt.

Die Dringliche Medizinische Hilfe kam zum Einsatz bei Unfällen, Vergiftungen und lebensbedrohlichen Zuständen. In den folgenden Jahren folgte eine Erweiterung der Indikation für diese Einsätze, so dass auch Koliken und andere Schmerzzustände übernommen wurden. Mit dem Entscheid des Ministeriums für Gesundheitswesen im Jahre 1976 zum umfassenden Aufbau der Schnellen Medizinischen Hilfe (SMH) in allen Bezirken und Kreisen der DDR, musste auch für Delitzsch eine entsprechende Konzeption entwickelt werden. Auf der bisherigen Basis ließ sich der Übergang zur SMH nicht verwirklichen.

Grundvoraussetzung waren dazu bauliche Maßnahmen zur Schaffung der notwendigen Räumlichkeiten für Ärzte, mittleres medizinisches Personal sowie für Materialien und Medikamente. Weiterhin waren mit Einführung des Funkes im Jahr 1977 technische Voraussetzungen für den Aufbau einer Leitstelle mit den nachrichtentechnischen Anlagen in der DRK Dienststelle erforderlich. Die dafür notwendigen Planungen zur Aufstockung des Garagentraktes und des Umbaus des vorhandenen DRK Gebäudes in der Eilenburger Straße 65 starteten 1978. Am 26.07.1980 begannen die Bauarbeiten.

Trotz knapper Zeit gelang es, den Rohbau schon bis zum Winter zu vollenden. Besonders hervorzuheben ist der Einsatz der Kameraden-Krankentransporteure, die vom ersten Handgriff an die Arbeiten mittrugen und eigene Freizeit opferten. Bereits im Januar 1981 waren die wesentlichen Baumaßnahmen abgeschlossen. Die Ausleihung der Bautechnik bei der ZBO Landbau Delitzsch und die Unterstützung weiterer Betriebe trugen zur raschen Realisierung bei. Am 30.03.1981 wurde mit der Belegschaft des DRK und am 03.04.1981 offiziell unter Einbeziehung der Vertreter der Baubetriebe und Helfer die Übergabe des neuen Gebäudes vorgenommen. Damit waren die notwendigen Voraussetzungen zur Einführung des Systems der Schnellen Medizinischen Hilfe im Kreis Delitzsch geschaffen.

Neben dem Baugeschehen galt es, auch die personellen Voraussetzungen umzusetzen. Am 01.03.1980 konnte so eine leitende Schwester als erste Mitarbeiterin des staatlichen Gesundheitswesens im Rahmen der SMH eingestellt werden. Fuhr man DMH-Einsätze anfänglich in den 1960er Jahren noch mit Barkas V 901/2-Fahrzeugen in der Krankentransport-Ausführung kamen bis Mitte der Achtziger fortlaufend mehrere speziell ausgerüstete Barkas B 1000-Krankenfahrzeuge hinzu. Am 01.05.1981 war damit das Ziel, die Notfallversorgung der Bevölkerung einschließlich der dringlichen Hausbesuchsdienste (DHD) rund um die Uhr für den Kreis Delitzsch durch das System der SMH abzudecken, erreicht. Ab dem Jahr 1985 (bis zur Wiedervereinigung) stand zusätzlich ein modernes Fahrzeug der Baureihe Barkas B 1000 „SMH-3“ in Delitzsch zur Verfügung. Insgesamt bewältigte die Schnelle Medizinische Hilfe in diesen Jahren monatlich 300 bis 400 Einsätze, davon 20% dringlicher Art.