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Delitzscher Wolfgang Glatzel übergibt Spendenbild ans DRK

Sein ganzes Leben hat er gemalt, sagt der Delitzscher Wolfgang Glatzel. Sein ganzes Leben – das ist aber auch, diese Leidenschaft und so viel mehr nicht ausüben zu können.

Foto: DRK Delitzsch. Wolfgang Glatzel „Mein Bild sollte einen Platz bekommen, wo es viele Menschen sehen und über den Inhalt nachdenken können.“

„Ich bin unheilbar an Morbus Crohn erkrankt“, erzählt Wolfgang Glatzel. Die chronisch-entzündliche Darmerkrankung wurde schon vor mehr als 40 Jahren beim heute 74-Jährigen diagnostiziert.  In den westlichen Industriestaaten liegt die jährliche Zahl von Neuerkrankungen bei etwa sieben bis acht auf 100 000 Einwohner. Ursache, Entstehung und Entwicklung vermag die Medizin noch nicht abschließend zu klären.

Schmerzen quälen Wolfgang Glatzel seit Beginn der 1970er-Jahre, die Krankheit verläuft in Schüben. Er ist abgemagert, manchmal fehlt die Kraft für die einfachsten Dinge und auch für die Leidenschaft Malen. Wie oft er auf dem OP-Tisch landete, weiß Wolfgang Glatzel nicht genau zu sagen: „Es waren bestimmt sieben Operationen am Bauch.“ So ging es vor Kurzem wieder in eine Hallenser Klinik, um Nierensteine zu entfernen. Ein Leben, geprägt von der Krankheit, und voller Hochs und Tiefs, habe er gelebt, sagt der Rentner. Aus den Tiefs hätten stets Frau Ursula und die Ärzte wie die im Delitzscher Krankenhaus geholfen. „Ohne Ärzte kein Leben“, meint Wolfgang Glatzel. Aber auch die Malerei und Kunst hätten geholfen, leichter mit Morbus Crohn umzugehen. „Auch aus diesem Erlebnis heraus, war es mir ein Bedürfnis, diese Gedanken in ein Bild zu packen“, erklärt der Delitzscher.

Das Rote Kreuz, das Krankenhaus der Loberstadt, das Thema Blut- und Organspende und seine Heimatstadt würdigt der frühere Kunstlehrer in seinem Bild. Unter anderem prangt der Schriftzug „Spendet“ als Aufforderung, Blut zu spenden zwischen vielen Rosen, die der Hobbykünstler besonders gerne in seinen meist kleinformatigen Bildern verewigt. Während die unzähligen anderen Werke – vor allem Delitzsch und Reiseerlebnisse zeigen sie – überall in der kleinen Wohnung verteilt sind, muss das gut 90 mal 70 Zentimeter umfassende Werk mit dem Schriftzug „Spendet“ immer wieder in den Keller.

„Mein Bild sollte einen Platz bekommen, wo es viele Menschen sehen und über den Inhalt nachdenken können.“ Er will das Bild, wie viele andere zuvor, verschenken. „Ich habe mich nie an meiner Kunst bereichert, sondern immer gegeben.“ Wochen habe er an dem Gemälde in Mischtechnik gearbeitet – immer, wenn es Krankheit und Behandlungsplan gerade zuließen. Ein Platz im Ärztehaus sei schön fürs Kunstwerk, findet der Maler. Zumal er schon länger davon träume, mal eine kleine Ausstellung zu zeigen. „Das große Bild ist zu schade für den Keller“, ist sich Wolfgang Glatzel sicher.

Nunmehr fand Anfang Dezember die Übergabe des Bildes in den Räumen des DRK-Service- und Schulungszentrums in eben jenem Ärztehaus statt. „Ich freue mich riesig. Das Bild hat einen wunderbaren Platz gefunden“, sagt Wolfgang Glatzel gerührt. Der Hobbykünstler hat nun nach langer Suche endlich den passenden Ort für dieses Bild gefunden, das er aus Dankbarkeit für die Menschen malte, die ihm in seinen langen Leidensphasen geholfen haben. Unzählige Operationen hat er über sich ergehen lassen müssen, oft fehlte die Kraft.

„Mit dem Werk wollte ich allen Ärzten, Krankenhäusern und der Stadt Delitzsch meine Verbundenheit ausdrücken. Ohne die Ärzte ist ein Leben für mich nicht mehr möglich. Ich kann gar nicht alle namentlich nennen, so viele haben mir in schweren Zeiten beigestanden“, so der 74-Jährige.

Nun hängt das Werk für jeden sichtbar im DRK-Service- und Schulungszentrum in der Delitzscher Ludwig-Jahn-Straße und soll neben Dank auch als Aufforderung an die Menschen verstanden werden, Blut und Organe zu spenden. „Ich wollte, dass das Bild von vielen Leuten gesehen werden kann. Es soll sie mahnen, ein ordentliches Leben zu führen und auf ihre Gesundheit zu achten“, sagt Glatzel, dem es zurzeit für seine Verhältnisse ganz gut geht.

Text: Christine Jacob und Jeannine Steinbrecher, Leipziger Volkszeitung vom 7.12.2011

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