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Ekel-Alarm im Altkleidercontainer

Gehört das in einen Altkleidercontainer? Volle Baby- und Erwachsenen-Windeln, Gartenabfälle, benutztes Katzenstreu, ganze Gasbeton- und Ziegelsteine, Holzbretter, alte Zaunslatten, Müll, Müll, Müll und nochmal Müll

Foto: NWZonline. Die DRK-Container sind sehr gut an ihrer Folie mit der Aufschrift zu den Aufgaben des Verbandes zu erkennen.

die Arbeit vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) und der Lebenshilfe in Delitzsch gerät gerade zum Ekeljob. Und die illegale Müllentsorgung bringt weitere Probleme.

„Wir müssen den Müll weiter zur Deponie fahren und damit steigen unsere Aufwendungen“, erklärt Jan Schweiger vom DRK-Kreisverband Delitzsch. Leider herrsche das Problem immer wieder, aktuell scheint es mal wieder eine Spitze der Dreistigkeit zu geben. Viel Aufhebens macht das DRK nicht mehr um den Dreck in den Containern, es wird nicht groß gelistet und gewogen – das Team schafft den Müll einfach nur noch kopfschüttelnd weiter zur Deponie. Etwas anderes bleibt dem Verband nicht, der Müll müsse ja so oder so entsorgt werden – und diese Ordnung übernimmt das DRK. 65 Container zur Altkleidersammlung hat der Verband im Stadtgebiet von Delitzsch, in Rackwitz und weiteren Dörfern sowie in Bad Düben. Das DRK finanziert mit der Sammlung unter anderem Aufgaben wie das Jugendrotkreuz und den Bevölkerungsschutz. Alle Container in Delitzsch sind mal mehr und mal weniger von illegaler Müllentsorgung betroffen, einen besonders betroffenen Standort kann der Verband derzeit nicht ausmachen. „Es wird überall wirklich alles mögliche in unseren Containern abgelagert“, schildert Jan Schweiger, „das heißt leider auch, dass die Textilien verunreinigt werden, die andere dort guten Willens hinein geworfen haben und so wieder mehr Aufwand entsteht.“ Das DRK sieht das nicht als Kavaliersdelikt, sondern als massive Beeinträchtigung der eigenen Arbeit. Bestrafung allerdings ist kaum möglich.

Ein Ärger, den man auch bei der Lebenshilfe kennt. Mit den 105 Containern von Borna bis Bitterfeld sind zwei Jobs für Menschen mit Behinderung verbunden. Regelmäßig ziehen auch sie Dinge aus den Altkleidercontainern, die dort nicht hinein gehören. „Die Vermüllung reicht bei uns vom Katzenstreu bis zum Kompost“, erzählt Vereinschefin Frauke Seifert. Nicht nur Babywindeln machen zu schaffen, in Umkreis von Pflegeeinrichtungen fallen immer wieder benutzte Windeln für Erwachsene auf. Eine andere Lösung als den Müll selbst zu entsorgen, sieht auch die Lebenshilfe nicht mehr. Nur einmal hatten sie Glück und fanden einen Schnipsel mit einer Adresse in einer Ladung Müll – der wurde dann dem Verursacher zu seiner peinlichen Berührung direkt vor die eigene Haustür geliefert.

Hinzu kommt für DRK und Lebenshilfe zudem das Problem illegal aufgestellter Altkleidercontainer anderer Unternehmen. Diese reduzieren das Sammelvolumen und damit die Einnahmen der wohltätigen Organisationen. Die DRK-Container sind an ihrer roten, weißen oder schwarzen Farbe mit umlaufender Aufschrift zu DRK-Arbeit zu erkennen. Die Container der Lebenshilfe an einem großen blau-weißen Logo „Arbeit für Menschen“. Da dem Problem der illegalen Müllentsorgung momentan kaum beizukommen ist, rät das DRK ordentlichen Spendern dazu, ihre Spendentüte fest zu verschließen. In der Geschäftsstelle in der Eilenburger Straße können auch Kleidersäcke geholt oder die Spende direkt abgegeben werden. Auch die Lebenshilfe hat Container direkt bei sich am Bobby-Brederlow-Haus im Ortsteil Döbernitz.

Armselig, wer so den Müll entsorgt
Ein Kommentar

Dreistigkeit kennt keine Grenzen. Statt Altkleider als Spende in die Container zu packen, laden einige ihren Müll vom Katzenstreu bis zum Gartenabfall kurzerhand in den Behältern von DRK, Lebenshilfe und Co. ab. Illegale Müllentsorgen passiert – man kann es leider oft genug sehen – ohnehin schon in Wäldern, Parks und an Feldrändern. Auch dort ist das kein Kavaliersdelikt. Wenn aber Müll extra noch in den Altkleidercontainer geschafft wird, wird die Dreistigkeit illegaler Müllablagerung sogar noch einmal gesteigert. Die Fahrt zur Deponie spart man sich, die Tour zum Container ist aber locker drin. Das Problem betrifft natürlich nicht nur DRK und Lebenshilfe, sondern auch eine Menge anderer Altkleidersammler. Dass diese aber häufig ihre Container selbst schon illegal aufstellen, macht den beiden Organisationen weitere Sorgen. Natürlich verkaufen auch DRK und Lebenshilfe mitunter Teile der Spenden – damit allerdings werden soziale Projekte, Katastrophenschutz und Co. finanziert und die Lebenshilfe schafft mit zwei Jobs die Integration von Menschen mit Behinderung. Von solchen Ansinnen können am Ende alle profitieren und wer seinen illegalen Müll in den Altkleidercontainer wirft, der torpediert den guten Zweck. Klar, die Müllentsorgung kostet Geld – aber es auf diese Art zu tun und das Problem anderen überzuhelfen, um sich selbst Euros und die Tour zur Deponie zu sparen, das ist ziemlich armselig.

Texte: Christine Jacob, Leipziger Volkszeitung vom 7.7.2017, „Ekel-Alarm im Altkleidercontainer / Volle Windeln, Katzenstreu, Gartenabfälle: Illegale Müllentsorgung treibt in der Delitzscher Region neue Blüten“ und „Armselig, wer so den Müll entsorgt“

11. Juli 2017 09:28 Uhr. Alter: 14 Tage